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Dienstag, 6. Oktober 2015

Kurzgeschichte Nummer 12: Bombe im Plastikbecher


Bombe im Plastikbecher



Heute schreibe ich einen Text über eine Zugfahrt, dachte ich mir. Wie klischeehaft. Womit fängt  denn jeder gute Bahn-Text an, ach ja: Mein Zug hatte mal wieder Verspätung. Jaja, mein guter Freund Deutsche Bahn, wie schaffst du diese Zuverlässigkeit einzuhalten?  „Ich mein, versteh mich nicht falsch Deutsche Bahn, du bringst mich ja immer sicher von A nach B, aber könntest du das auch pünktlich machen?“  Sage ich laut, schreiend durch das Zugabteil und ernte Applaus. "Deutsche Bahn hat Verspätung" ist also abgehakt, wie klischeehaft. Na ja, der Welle anpassen. Was kommt jetzt normalerweise? Menschen um dich herum betrachten und spannende Dinge über sie schreiben. Nee, da hab ich eigentlich echt keine Lust drauf. Hier ist doch niemand spannendes! Vielleicht, denk ich mir, muss ich aber auch nur weiter suchen. Von einem hohen Punkt aus wo ich ungesehen bin! Zum Glück habe ich alle Batman-Filme, Sherlock Holmes-Filme und die Sherlock-Serie (die ich übrigens besser als die Filme finde, was nicht heißen soll, dass ich die Filme schlecht finde, aber die Serie hat einfach das gewisse Etwas) geguckt und habe mir alle Fertigkeiten, die man braucht um ein erstklassiger Detektiv zu werden, angeeignet. Leise und geschwind ziehe ich mich an einem Gepäckhalter hoch und wie Batman, springe ich von einem Gepäckhalter zum Nächsten. Hier und da schaut einer hoch, als hätte er was bemerkt, aber das wäre ja schon ziemlich lächerlich. Niemand von diesen Leuten sieht interessant genug aus um darüber zu- Na hallo! Da haben wir ja jemand  Interessantes! Ich halte an und nun kommt der schwierigste Teil: Ich verkeile mich mit meinen Beinen, schwinge mit meinem Körper kopfüber nach unten und halte mein auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigtes Gesicht, drei Zentimeter vor dem doch etwas, sagen wir verblüfften Gesicht einer jungen Dame an. Ihre Augen wurden ganz groß, als ob sie gerade eine Offenbarung erhalten hätte. Sie bewegte sich nicht mehr und fiel anscheinend in einen Zustand, welcher der Leichenstarre sehr stark ähnelte. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass so ein Prinz wie ich in der Spiderman-küsst-Mary-Jane Pose direkt vor ihr hinunter hing. Sehen wir uns doch einmal das Objekt der Begierde an: Die junge Dame ist knapp 1,68m groß, hat braun gefärbte Haare, die original Haarfarbe lässt sich nicht mehr erkennen, grüne Augen und Augenringe, offenbar Studentin oder Krankenschwester. Sie scheint in etwa mein Alter zu haben, also eher Studentin. Sie trägt Klamotten und hat Körbchengröße B, ein schönes B. Sie wäre in der Tat die geeignetste Person im ganzen Zug, über die es sich zu schreiben lohnen würde, wenn ich nicht einen Blick auf ihre Hände geworfen hätte. In ihren Händen hielt sie nämlich ein Buch mit schwarzem Einband. Da ich kopfüber hänge, erkenne ich das Buch erst auf den zweiten Blick: "Fifty Shades Of Grey". Kopfschmerzen durchfahren mich plötzlich und ich liege auf dem Boden vor ihr, nicht wissend, ob die Kopfschmerzen der Tatsache geschuldet waren, dass sie dieses Buch las oder vom Sturz herrührten. Sie schien langsam wieder zu sich zu kommen, denn ihr Blick wurde wieder klarer und fiel auf mich. Nun bin ich an der Reihe und lasse mir gekonnt nichts anmerken. Ich ziehe ein gelangweiltes Gesicht auf, stehe auf und gehe langsam, würdevoll aber nicht sprintend auf meinen Sitzplatz zu. Dort angekommen, setzte ich mich und hole erst mal tief Luft. FSoG, denke ich, mit solchen Leuten will ich nichts zu tun haben! Da mich langsam die Kreativität zu verlassen schien, starrte ich, wie jeder andere Zugfahrer auch, gelangweilt aus dem Fenster. Jetzt weiß ich warum jeder über das Zugfahren schreibt, es passiert nichts und man denkt sich vor lauter Langeweile richtige Krimis aus. Draußen ziehen ewig Bäume vorbei, ab und zu passieren wir eine Autobahn und ich lächle höhnisch den Autofahrern zu, welche im Stau stehen, dabei bleibt es aber dann auch. Versunken in die Tristesse sehe ich mich noch einmal um und erkenne links auf einem Sitz einen Plastikkaffeebecher. Wortlos starre ich ihn an, er starrt wortlos zurück. Auf dem Deckel des Kaffeebechers steht: "Caution Im Hot". Sofort beginnt mein Gehirn an zu rattern und schubst die Kreativität an ihm beizustehen. Caution, Vorsicht! Eine Bombe! Was wenn eine Bombe in diesem kleinen unscheinbaren Kaffeebecher wäre, was würdest du, der alle Bombenentschärfungs-Filme gesehen und das gesammelte Wissen in sich aufgezogen hat, dann machen? Verschmitzt, setzte ich mich neben den Kaffeebecher und fange an wie wild auf meinem Handy am herumtippen.
Überschrift: Bombe im Plastikbecher